Am 24. September 2026 fand die Fortbildung "Neue Perspektiven in der Selbsthilfe durch künstlerisches Gestalten eröffnen" in den Räumlichkeiten des Hardtwaldzentrums statt. Während dieser Fortbildung erhielten die teilnehmenden Selbsthilfe-Aktiven aus unterschiedlichen Selbsthilfegruppen einen praxisorientierten Einblick in die Möglichkeiten kunsttherapeutischer Methoden.
Das Ziel war: Die Teilnehmenden sollten neue Werkzeuge und Techniken kennenlernen, um ihre Gruppenstunden nicht nur durch Gespräche, sondern auch durch kreative Prozesse zu bereichern.
Die Veranstaltung begann mit einer ungewöhnlichen und persönlichen Vorstellungsrunde. Jeder stellte sich künstlerisch vor, nicht durch Worte, sondern durch Bilder. Mit den von der Referentin bereitgestellten Materialien (Kohle, Bleistift und Kreide) entstanden erste Werke, die bereits einen Einblick in unterschiedliche Perspektiven, Emotionen und Persönlichkeiten gaben.
Im anschließenden Stuhlkreis folgte ein strukturierter Austausch unter fachkundiger Anleitung:
- Erste Stimme: Die jeweilige “Künstlerin” präsentierte ihr Bild und teilte ihre Intention und Gedanken.
- Gesamtgruppe: Danach eröffnete sich der Dialog für alle Teilnehmenden und die Referentin, um das Werk aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu würdigen.
Die zweite Phase war praxisnah und lösungsorientiert. Die Frage lautete:
„Wie könnte die jetzige Situation – wie sie in meinem Bild dargestellt ist – verbessert werden?"
Jede Teilnehmerin erhielt 45 Minuten Zeit, um ihre Antwort künstlerisch zu visualisieren. Dies ermöglichte einen Übergang vom Problem zur Vision von Veränderung.
Erneut trafen sich alle im Stuhlkreis zum Austausch. Die Ergebnisse dieser Phase zeigten eine bemerkenswerte Vielfalt von Perspektiven:
- Wie differenziert die Gemälde betrachtet wurden
- Wie viele unterschiedliche Sichtweisen auf dieselbe Situation möglich sind
- Wie tief und vielschichtig Themen durch künstlerische Prozesse erschlossen werden können
Ein zentrales Ergebnis war die Erkenntnis, dass Kunst eine andere Sprache spricht als verbale Kommunikation:
- Sie ermöglicht Zugang zu Gefühlen und Gedanken, die schwer in Worte zu fassen sind
- Sie würdigt die Individualität jeder Person
- Sie schafft Raum für tiefe Reflexion und gegenseitiges Verständnis
- Sie bietet konkrete Werkzeuge, um Veränderungsprozesse sichtbar und gestaltbar zu machen
Diese Fortbildung vermittelte Aktiven in Selbsthilfegruppen praktisch anwendbare Methoden, um ihre Arbeit zu erweitern:
✓ Neue Einstiege in Gruppenprozesse schaffen
✓ Themen auf kreative Weise bearbeiten und vertiefen
✓ Alle Stimmen zu Wort kommen lassen – auch die, die schwer sprechen
✓ Von Problemdarstellung zu Lösungsfindung gelangen
✓ Gruppenzusammenhalt durch gemeinsames Schaffen stärken
Der Tag hat eindrucksvoll gezeigt, dass kunsttherapeutische Ansätze eine wertvolle Bereicherung für Selbsthilfegruppen darstellen können. Sie ergänzen die klassische Gesprächsgruppe um eine Dimension, die Verständnis, Kreativität und Transformationsfähigkeit auf neue Weise zugänglich macht.
Danke an die Referentin Claudia Lieb für ihre fachkundige Anleitung und ihr Engagement, diese wertvollen Methoden an die Selbsthilfe weiterzugeben.
Ihr Team des Selbsthilfebüro Karlsruhe
